Poeten/Poetinnen

Irène Häne-Ebneter

Therese Solèr

Beda Victor Camenzind

Christoph Sutter

Katharina Frei

Brigitta Bommer

Christoph Siegerist

Danielle Baumgartner Knechtli

Cornelia Kliesch





Irène Häne-Ebneter



Wohnt in Kirchberg SG
Bibliothekarin bis Sommer 2017
Mitglied und Mitbegründerin der WilerPoeten
Beteiligung an verschiedenen Projekten der Wiler Poeten


Veröffentlichungen

«Annäherung» : Eine Begegnung mit Asylsuchenden (Publikation der Wiler Poeten) 2019
PRO LYRICA Kalender 2019 : Thema Fassaden 
Toggenburger Jahrbuch 2010 : Ins Licht gesetzt - Gedichte und Bilder
«Bäuchlings auf Grün» – Lyrik aus dem Kanton St. Gallen im 20. Jahrhundert 2005
CD-Projekt mit Michael P. Haessig. «Die Weisheit des Wassers – Stern geworden» 2000
Hörbeispiel CD-Projekt:


Über die Worte : MIchael P. Haessig


Antworten : Irène Häne, gesprochen von M. P. Haessig

«Offene Lyrikschublade» – unbekannte frauenlyrik der deutschen Schweiz 1998


Textbeispiel Irène Häne-Ebneter

Bergsicht

In den Jahren
kommt der Berg
immer näher
mit seiner Grösse
seinen Steinfarben
seiner Verletzlichkeit

Immer wenn die Abendsonne
versöhnlich die Spitze
umschmeichelt
und der Himmel
seine Arme ausbreitet
bin ich von der
Bergmächtigkeit berührt.

© 2019 by Irène Häne-Ebneter


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Therese Solèr



Wohnt seit 1967 in Wil.
1982 gründete sie die Stadtbibliothek Wil und war Leiterin bis zur Pensionierung im Jahr 2002.
Seit 1984 ist sie Gründungsmitglied der Wiler Poeten.
Bücher gehören zum Leben. Sie schreibt gerne selber Gedichte und Kurzgeschichten.
Heute gehören Enkel und Enkelin zum aufmerksamen Zuhörerkreis.

Veröffentlichungen

«Annäherung» : Eine Begegnung mit Asylsuchenden (Publikation der Wiler Poeten) 2019


Textbeispiel Therese Solèr

Ferne Spuren
Lina sitzt in ihrem Zimmer am Fenster. Sie sitzt immer so da und wartet und schaut in die Ferne, ohne die Bildersprache zu verstehen. Sie horcht auf die Geräusche im Park. Koboldstimmen hört sie im Ohr, wenn die Knospen brechen im Frühling, wenn die Hitze sich dickbäuchig ins Zimmer drängt und die Blätter sich im Sommerregen umarmen. Sie hört die Sehnsucht nach vergangenen Freuden im raschelnden Laub und wie das Eis sich umklammert im nackten Holz – Lust und Verwundbarkeit im Kommen und Gehen der Jahreszeiten. Sie zählt die Jahre nicht mehr, wie Blumen und Farben sind sie namenlos geworden, kleine trippelnde Sandspuren in Linas Kopf, vom lauernden Trauervogel eilig verwischt. In der Nacht findet Lina die Sprache wieder, sie spricht mit dem Vogel und wartet auf den Schnee, das leise Fallen der Flocken auf den Weg, der hinausführt aus dem vergitterten Park. Der Morgen wirft sein grelles Licht auf die Nacht und verscheucht Linas Träume. Sie wartet am Fenster auf die Schwester. Sie wird ihr die Strümpfe anziehen, die Haarnadeln zusammensuchen, die Haare aufstecken, neue Windeln umlegen und die Vorhänge zurückziehen. Lina wartet auf das Essen, wartet, bis sich die Gabel in den Mund schiebt. Sie sucht nach Erinnerungsfetzen. Das Wort duckt sich in der Nähe, zerfliesst auf der Zunge, ohne erkannt zu werden. Manchmal schaut Lina ins spiegelnde Fensterglas, sie sieht ein kleines Mädchen mit der Puppe im Arm, das Haar in goldene Zöpfe geflochten. Sie begegnet den Augen einer fremden Frau und wartet bis das Glas erblindet. Heute ist alles anders: Die Schwester zieht die Vorhänge wieder zu. Schneeflocken fallen auf die warme Erde, sie legen sich aufeinander, hüllen sich ein, werden Schicht um Schicht zur leichten, weissen Decke. Lina versammelt die verlorene Sprache um sich und folgt dem Lichtvogel nach.

© 2010 by Therese Solèr


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Beda Victor Camenzind



Wohnt in Winterthur und war einige Jahre Lehrer in Wil/SG.
Seit jener Zeit ist er Mitglied der WilerPoeten.
Er schreibt Gedichte und Kurzgeschichten.


Veröffentlichungen

«Annäherung» : Begegnung mit Asylsuchenden (Publikation der Wiler Poeten) 2019
«Schatzkästlein» im Eigenverlag Mesaverde 
«Besuch beim Auftragsdichter» : DRS 1 bei Beda Victor im Buchparadies Winterthur


Textbeispiel Victor Camenzind

Wiegenlied

Rundum hin und her
wiegst du dein Kind
von Mond zu Mond
wird es Fisch, Vogel, Mensch

Im Schweigen so oft
ein Fragen und Zagen
rundum hin und her

Wird es Mann oder Frau
Augen, Haare, sein Gesicht
gleicht es dir oder mir
den Ahnen, Urahnen

Zerstreut's oder sammelt's
das Erbe von Jahrmillionen

Rundum hin und her
wiegst du dein Kind
von Mond zu Mond
wird es Fisch, Vogel, Mensch

Im Schweigen so oft
ein Zagen und Fragen
rundum hin und her allezeit

© 2012 by Beda Victor



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Christoph Sutter

Gründungsmitglied der WilerPoeten. Verbrachte die Jugend- und Schulzeit in Wil; lebt heute in Romanshorn.
Arbeitet als Sekundarlehrer, Moderator, Texter und Eventpoet. Verfasste schon mit 16 Jahren Kurzgeschichten.
Schreibt seit 1985 heitere Alltagsverse für Wochen- und Tageszeitungen.
Texter und Autor für Fernseh- und Regionalradiostationen, Firmen und Presseorgane.
Mehrere Preise – unter anderen 2005 internationaler Schiller-Gedichtewettbewerb in Deutschland und 2015 Kulturpreis der Stadt Romanshorn.
Mailadresse: stoeff.sutter@bluewin.ch


Veröffentlichungen


«Bänker, Schalter und Moneten», Bodan-Verlag 2020, Kreuzlingen
«Annäherung» : Begegnung mit Asylsuchenden (Publikation der Wiler Poeten) 2019
Romy und sein Baum, Bilderbuch 2018, PS Romanshorn
SammelVERSium, 2017, Neptun Verlag Kreuzlingen und Interlaken
Wellness-Verse, 2014, Neptun Verlag Kreuzlingen
DiVERSE VERSE - Alltagszeilen zum Verweilen, 2011, Neptun Verlag Kreuzlingen
O Thurgau - es weihnachtet quer, 2009, Bodan-Verlag, Kreuzlingen
uniVERSal (Hörbuch), 2009, Neptun Verlag, Kreuzlingen
Gute (Vers) Besserung - Verse, welche das Kranksein erleichtern, 2007, Neptun Verlag, Kreuzlingen
Wie vers mit uns?, 2005, Neptun Verlag, Kreuzlingen
Es ist nicht alles Geld, was reimt, 2005, Thur-Verlag, Wil
Eine Prise Romanshorn, 1999, Ströbele, Romanshorn
Grenzenloser Malspass, Malbuch mit Versen, 1998, Verlag Ottoberg
Der H& + die Q - der Hund und die Kuh, 1995, Thur-Verlag, Wil
Gute Besserung - Verse, welche das Kranksein erleichtern, 1993, Thur-Verlag Wil
Apéroverse - Weitere Gedichte, die das Leben schrieb, 1991, Thur-Verlag, Wil
Heiter-ernste Alltagsreime. Neue Gedichte, die das Leben schrieb, 1989, Thur-Verlag, Wil
Heiter-ernste Gedichte... die das Leben schrieb, 1987, Thur-Verlag, Wil
Chlini Läbäswysheitä, 1984, Thur-Verlag, Wil

Musicals

GM - das GenerationenMusical, 2019
Cyber-Knatsch, 2014
Respekt, 2009
JOHA-Musical, 2006
EntSCHEIDIGä, 2002/2004
Bärenstark, 1996/1998


www.verse.ch


Textbeispiel Christoph Sutter

Erholung

Erholung sei für sie, sagt sie,
wenn er mit ihr, mit Zeit wie nie,
auf fauler Haut im Garten liege –
und man ein bisschen Hunger kriege.

Dann wünscht sie sich, dass er das spürt,
zur Küche geht und sich nicht ziert.
Denn was den Tag zum Urlaub polt
ist, wenn sie sagt: «Ich bin, er holt!»

© 2012 by Christoph Sutter


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Katharina Frei

Wohnt in Weesen. Freischaffende Künstlerin.
Mit den WilerPoeten 1995 in Kontakt gekommen anlässlich einer Bilderausstellung und mit eigenen Gedichten.
Schreibt Lyrik.


Veröffentlichungen

«Bäuchlings auf Grün», Lyrik aus dem Kanton St. Gallen im 20. Jahrhundert. Herausgeber: Richard Butz, Christian  Mägerle, Adrian Riklin, Liv Sonderegger, Doris Ueberschlag, VGS Verlagsgemeinschaft St. Gallen (2005)
«offene lyrikschublade», unbekannte frauenlyrik der deutschen schweiz, nimrod verlag zürich (1998)


Textbeispiel Katharina Frei

Ich presse den Duft
in mein Tagebuch
und träume von
Mohnblumenrot.

© 2012 by Katharina Frei 


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Brigitta Bommer



Wohnt in Winterthur.
Kunsttherapeutin und Supervisorin,
Gender-Fachfrau,
Künstlerin und Poetin.
Schreibt Kurzgeschichten und Gedichte.


Veröffentlichungen

«Annäherung» : Begegnung mit Asylsuchenden (Publikation der Wiler Poeten) 2019
So rot wie Blut, gender studies, Books on Demand (2003)



Textbeispiel Brigitta Bommer

Düfte Ein Hauch von Leidenschaft

Der Duft von Heu
In zitternder Sommerluft
Wandelt in süssen Wonnegärten
Jasmin, Thymian und Mohn
Verlocken zu sinnlichen Genüssen
Ganz nach unserer Fantasie
Oh wie köstlich:
Eine Hand voll Rosenblätter
Im Liebesbad
Süsslich, zugleich würzig frisch und herb
Weitet berauschend Horizonte
Erfindet das Wort:
Selbstvergessen


Morgentraum

Kirschblüten
Folgen Deiner Spur
Du darfst Dich freuen
Wir haben Zeit
Und die Luft
Zum Atmen


Roter Mohn

Ich werde dich nicht pflücken
Denn Du sollst Zeuge sein
Und meinem Liebsten
Den Weg wohl weisen
In den duftenden Garten
Zwischen Abend und Morgen

© 2012 by Brigitta Bommer


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Christoph Siegerist

Wohnt seit 2008 in Wil.
Dipl. Kulturingenieur ETH und eidg. pat. Ingenieur-Geometer.
Individualpsychologische Fachperson.
Beruflich im Ruhestand, aber immer wieder ein Suchender.
Schreibt über das, was ihn beeindruckt oder ihm zu denken gibt.
Ist den WilerPoeten erstmals an einer Lesung im Oktober 2009 begegnet.


Veröffentlichungen

«Mit wenig reich gelebt», Biografie von Dieter Budin (Mitarbeit als Ghoswriter) 2020, Wil
«Annäherung» : Begegnung mit Asylsuchenden (Publikation der Wiler Poeten) 2019



Textbeispiel Christoph Siegerist

Zur Ruhe kommen oder:
Tun und Lassen

Immer wieder glaube
ich zu wissen,
dass ich Beschäftigung
brauche, um zu überleben.

Noch nicht habe ich gelernt,
dass Leben ohne Beschäftigung
auch möglich ist,
im Alter sogar besser.

Sein statt Tun
Geniessen beim Ruh'n:
Da lebst du nun
einfach.

© 2012 by Christoph Siegerist


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Danielle Baumgartner Knechtli

Sie lebt mit ihrem Mann und zwei Kindern in Wil.
Studium der Betriebswirtschaft in Dänemark und Staatswissenschaft an der Universität St.Gallen (HSG). War in Firmen als Geschäftsführerin, im Amt für Wirtschaft des Kantons St. Gallen (Standortförderung) und zuletzt als Bereichspersonalleiterin im Gesundheitswesen tätig. Sie hofft, dass sich ihre berufliche Zukunft in Richtung Schreiben bewegt.


Veröffentlichungen

«Annäherung» : Begegnung mit Asylsuchenden (Publikation der Wiler Poeten) 2019 
2016 Buch «Käfigland», ein Politthriller (Knapp-Verlag, Olten)
2013 «Bund»-Essaypreis: 1. Platz
«Lieber Herr Chefredaktor!» (PDF Seite 1, PDF Seite2)
2011 Prisma, St.Gallen (HSG Studentenzeitschrift):
«Risiken und Nebenwirkungen des lebenslangen Lernens» (Link)
2011 Frauenzentrale des Kts. St.Gallen:
Artikel «Das St.Galler Frauenfest der Frauenzentrale» (PDF)


Textbeispiel Danielle Baumgartner Knechtli

folgt

© 2012 by Danielle Baumgartner Knechtli


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Cornelia Kliesch



Wohnt in Wil.
Schreibt hobbymässig Kurzgeschichten und Prosa.
Besuchte 2008 den m-art Schreiben Kurs.
War 2011 bei Schreiber vs. Schneider, um den Geheimnissen der Kolumnen zu lauschen.
Entdeckte im November 2013 die Wiler Poeten an der Jahreslesung «Mit Haut und Haar».
Hat 2014 beim Drehbuchautor Urs Bühler reingeschnuppert.


Veröffentlichungen

2019: «Annäherung» : Begegnung mit Asylsuchenden (Publikation der Wiler Poeten) 2019
2014: Brotbacktag
2012: Nussgespräche


Textbeispiel Cornelia Kiesch

Zwei Elfchen

Laub
nasses Laub
klatsch nasses Laub
nasses Laub am Boden
November

kontaktfreudig
kontaktfreudiger Fahrgast
teilt sich mit
spricht fremde Leute an
ungewöhnlich

© 2009, Cornelia Kliesch